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Race across Taklamakan - 2004 |
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Erstes Radrennen der Welt in der Chinesischen Taklamakan Wüste erfolgreich.
Zehn Extremsportler haben Souvenirs in Urumqi gekauft, letzte Eindrücke
von einem Land aufgenommen, welches mit Handy, Eselkarren, Plumpsklo
und 5-Sterne-Hotels augenscheinlich eine rasende Entwicklung
durchmacht, die wir im Zeitraffer miterlebten.
Urumqi, Landeshauptsstadt der Region Xinjiang mit ca. 1,8 Mio.
Einwohnern verschiedenster Völkerstämme. Ankunft im Grand Hotel mit
festlichem Essen und breafing für die kommenden Tage. Verladung der
Fahrräder auf einen LKW, der diese 600 km weiter nach Luntai, unserem
Startort am Rande der Wüste, bringt. Nachtfahrt bei gestochen klarem
Himmel mit dem Zug nach Luntai, dort Erleichterung ... unsere Räder
sind heil und vollständig angekommen. Der Zusammenbau erfolgt unter den
Augen interessierter, ungläubig schauender Menschen. Eine mit Feuerholz
beladene Eselkarre zieht vorbei.
Beim abendlichen Spaziergang fragende, erstaunte Gesichter,
sechsspurige Prachtstraße mit grell bunter Beleuchtung, Fußgängerzone
mit kleinen Läden und Markt mit seinen vielschichtigen Angeboten an
Obst und Gemüse aus der Region und offenen Gar- und Bratständen. Es
umgeben uns fremdländische Gerüche und Stimmen.
Dazwischen ein Kleinkind, vielleicht ein, zwei Jahre alt, welches eine
Treppenstufe zu erklimmen versucht ... dabei „zeigt“ es uns seinen
blanken Popo.... die Hose hat ihren langen Schlitz eben hinten!
Zehn angespannte Extremsportler mit ihren Rädern, acht chinesische
Betreuer, zwei PKW, je ein Bus und LKW stehen um 08:00 Uhr am
Einfahrtbogen zur Taklamakan Wüstenstraße. Vor uns 525 km .... keiner
weiß, was uns so erwartet. Auch für die Betreuer ist dieses das erste
Radrennen.
Morgenrot, gefühlte leichte Minusgrade, etwas südöstlicher Wind –
Startschuss. Der erste Abschnitt (295 km) für den ersten Tag in der
Wüste bis Tazhong führt entlang an Raffinerien, Baumwollfeldern,
Pappelwäldern und dem langsamen Übergang in die Wüste. Die letzten
Bäume und Sträucher gehören zum toten Wald ... nur noch bizarre
Fragmente einer ehemals grünen Landschaft.
Jetzt beginnt der Sand, unendliche Dünen, Windabrisskanten; Ebenen,
begrenzt durch hohe Dünenzüge; diesiger Himmel mit einigen
Sonnenabschnitten. Grandiose Sandlandschaft so weit das Auge reicht und
Stille, unendliche Stille .... nur gestört vom Schnarren der Ketten und
unserem Sprechen. Keine Tiere, keine Insekten, kein Baum, kein Strauch
– kein Leben.
Mittendrin zehn Extremradfahrer die zwischen Sprachlosigkeit, stillem
Genießen und sportlichem Ehrgeiz hin- und hergerissen sind.
Sanfte Hügel, deftige Anstiege und lange, endlos bis zum Horizont
erscheinende Teerstraße in sehr gutem Zustand ... wir können uns nicht
satt sehen, genießen ... der Renncharakter verliert an Bedeutung, der
Respekt vor dieser unendlichen Menge Sand steigt.
Um Mitternacht beziehen wir unsere Schlafsäcke in einer einfachen Unterbringung.
Im Dunkeln sind wir angekommen, im noch Dunkeln starten wir morgens zur
zweiten Etappe. Es ist wieder kalt, Wind aus der Fahrtrichtung, der
Himmel ist klarer.
Einige möchten es jetzt doch wissen und streben dem Ziel mit hohem
Tempo entgegen. Ein anderer hat den Vortag noch nicht so recht
„verdaut“ und wird in die Mitte genommen. Somit waren die ersten beiden
nach 10:30 Std. und die letzten nach 14:00 Std. im Ziel.
Alle haben es heil und gesund geschafft, und das war das oberste Ziel aller Teilnehmer.
Fazit: die Strecke ist sehr gut zu fahren, die Gegend verlangt
Konzentration und Respekt. Ein Radrennen dieser Art verlangt eine sehr
spezielle, auch mentale, Vorbereitung und jede Menge Erfahrung im
Langdistanzradfahren.
Spotlights:
Betreuerteam: acht engagierte Chinesen, die umsichtig und wissbegierig
sehr gute Arbeit mit Rundumbetreuung geleistet haben. Wir waren sehr
zufrieden.
Verpflegung: jeder hatte seine Verpflegung mitgebracht ... und sie auch
wieder mit nach Hause genommen. Das Betreuerteam hatte nach Absprache
hervorragend eingekauft und uns bestens versorgt. Alle 40km eine
Verpflegungsstelle !!
Straße: ein paar km mit größeren Unebenheiten, 99% sehr gute ebene Asphaltdecke.
Schäden: zwei Plattfüße, ein Mantelriss durch einen scharfkantigen Stein.
Taklamakan: BRD-große Sandwüste ohne Leben, ohne Oasen in einer Höhe
zwischen 1000 und 1300 m, eingebettet zwischen 7000 m hohen Gebirgszügen
im Osten Chinas
Wetter: frostiger Wind morgens und abends, bis ca. 25° am Nachmittag, extrem trockene Luft.
Sportler/Teilnehmer: Gemeinsamkeit: Erfahrung mit extrem langen
Radtouren, Sportler durch und durch, zielorientiert und „heiß“ auf neue
Herausforderungen, vielseitig sportlich aktiv und fit.
Individualisten: jeder hat seine ganz speziellen Erfahrungen gemacht,
es profitieren alle davon, weil darüber offen gesprochen wird. Egoismus
hat da seine Grenze, wo der andere Beistand/Hilfe braucht.
Rückfahrt mit dem Bus von Minfeng über Tazhong nach Luntai, die Fahrt
mit anderen Vorzeichen: zehn Extremsportler, überglücklich, müde und
doch angespannt. Wir erleben die Wüste mit starkem Wind; Sand der über
die Straße weht, Sandfahnen an den Windabrisskanten der Dünen und
strahlender Sonnenschein – es ist heiß im Bus und beim Ausstieg – der
steife Wind ist kühl, der feine Sand dringt in jede Ritze. Wir
überlegen, unsere Schwimmbrillen aufzusetzen, um die Augen besser zu
schützen, aber dann geht’s schon weiter.
Ein paar Stunden später eine andere Seite der Wüste ... strahlender
Sonnenschein, Windstille. Barfuss im Sand ... auf der Schattenseite der
Düne frisch und kühl, auf der Sonnenseite angenehm warm, weich und
feinstkörnig, fast Staub.
Fotos werden geschossen, der eine sitzt gedankenverloren auf einer
Düne, der andere „geht spazieren“. Gedanken, Gefühle ... die
Extremsportler zeigen und lassen sie zu.
Ein Ausspruch vom ersten Renntag macht wieder die Runde:
„ ... wirklich unwirklich ...“
Der Empfang in Urumqi durch die chinesische Bevölkerung und die Presse
ist wohltuend herzlich und aufmerksam. Freude und Anerkennung über die
erbrachte Leistung schwingen in der kalten Novemberluft. Das abendliche
Abschlussbankett mit traditionellen Tänzen und Musik macht uns im Kreis
der Chinesen sehr viel Spaß und Freude.
Dieses Land ist unendlich ... in vielfältiger Weise.
Teilnehmer: Herrmann Karle (24:35 h), Pforzheim; Uwe Krohne (1. Platz:
21:51 h), Hess. Oldendorf; Holger Doose (25:05 h), Hamburg; Joachim
Rintsch (2. Platz: 22:35 h), Tutlingen; Friedhelm Lixenfeld (3. Platz:
23:53 h), Hamburg; Stefan Schlett (24:37 h), Aschaffenburg; Peter Becker
(28:09 h), Bordesholm; Karl-Heinz Jost (30:11 h), Kiel; Wolfgang Kulow
(24:35 h), Malente; Wolfgang Mund (25:05 h), Rendsburg.
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